Die Hochzeitsnacht

Nachts durch die stille Runde Rauschte des Rheines Lauf, Ein Schifflein zog im Grunde, Ein Ritter stand darauf. Die Blicke irre schweifen Von seines Schiffes Rand, Ein blutigroter Streifen Sich um das Haupt ihm wand. Der sprach: »Da oben stehet Ein Schlößlein überm Rhein, Die an dem Fenster stehet: Das ist die Liebste mein. Sie hat mir Treu versprochen, Bis ich gekommen sei, Sie hat die Treu gebrochen, Und alles ist vorbei.« Viel Hochzeitleute drehen Sich oben laut und bunt, Sie bleibet einsam stehen, Und lauschet in den Grund. Und wie sie tanzen munter Und Schiff und Schiffer schwand, Stieg sie vom Schloß herunter, Bis sie im Garten stand. Die Spielleut musizierten, Sie sann gar mancherlei, Die Töne sie so rührten, Als müßt das Herz entzwei. Da trat ihr...

Mehr

Von Liebe und Ehe

Elise, sprach zur Freundin die Mathilde, Das sogenannte Glück ist meistens schal. Wenn ich vom Leben mir ‘ne Meinung bilde, Find’ ich die Ehe mehr als trivial. Die Liebe – gut. Ich laß die Liebe gelten. Man sucht sich Emotionen fürs Gemüt. Man schätzt sich gegenseitig, weil man selten, Höchst selten sich und unter andern sieht. Man schwärmt für Nietzsche, Dehmel, Mai und Rosen, Auch macht ein Ausflug (so nach Treptow) Spaß, Man unterhält sich von der namenlosen Geheimen Sehnsucht – unbestimmt nach was. Man hat frisiert und aufgeputzt sein Wesen Und legt ein ew’ges Rätsel ins Gesicht; Man hat vorher in Büchern nachgelesen, Was man mit dem geliebten Jüngling spricht. Er konversiert vom Leben nach dem Tode, Von Maeterlink...

Mehr

Der Neuvermählte

Armer Mann, wie viele Jahre Bittrer Leiden sind dir nah! Deine Frau an dem Altare Sagte heut’ ihr – letztes Ja. Verfasser unbekannt

Mehr

Dir zu leben

Dir zu leben, Beste! Mit dir glücklich sein, ist der Freuden gößte; Immer sei sie mein. Verfasser unbekannt

Mehr

Gott sei Dank, sie haben sich

O wie lieblich, o wie schicklich, sozusagen herzerquicklich, ist es doch für eine Gegend, wenn zwei Leute, die vermögend, außerdem mit sich zufrieden, aber von Geschlecht verschieden, wenn nun diese, sag ich, ihre dazu nötigen Papiere, sowie auch die Haushaltssachen endlich mal in Ordnung machen und in Ehren und beizeiten hin zum Standesamte schreiten, wie es denen, welche lieben, vom Gesetze vorgeschrieben, dann ruft jeder freudiglich: „Gott sei Dank, sie haben sich!”   Wilhelm Busch

Mehr